Zeit für Dialog!

31. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Editorial

Diese erste reguläre Nummer von Dialogical humanities vereinigt Beiträge, die unserem zentralen Anliegen nahestehen: Eine dialogische Geistes- und Sozialwissenschaft zu etablieren, die methodisch nicht von Objekteigenschaften, sondern von der semantischen und zeichenhaften Interaktion zwischen Räumen, Zeiten und Gruppen ausgeht. Eine Seite dieser Interaktion bildet immer der Standpunkt, von dem aus geblickt wird, so dass wir immer zugleich involviert sind (das lässt sich ohnehin nicht vermeiden) und zugleich eine Beobachtungsdistanz haben. Eine solche Distanz ist allen anderslautenden Behauptungen zum Trotz möglich, und zwar dann, wenn die andere Seite im Dialog nicht nur beobachtet wird, sondern mit ihrem authentischen und legitimen Standpunkt auch gehört und verstanden wird. Das gilt für räumlich, zeitlich, axiologisch, ethnisch usw. Andere. Ich möchte Sie dazu ermuntern, sich auf diese Betrachtungsweise einzulassen und Methoden zu entwickeln oder zu verfeinern, die für eine solche Betrachtungsweise geeignet sind. Unser Anliegen ist in der Rubrik „Unser Konzept“ näher ausgeführt. In Ergänzung dazu möchten wir betonen, dass eine klassische Hermeneutik der Forderung nach dialogischem Verstehen noch nicht genügt. Auch sie ist letztlich auf Objekterkenntnis gerichtet und nicht auf dialogisches Verstehen. Diltheys Anliegen einer verstehenden Wissenschaft greifen wir zwar auf. Wir wollen aber Methodiken verwenden, die den modernen Kriterien von Wissenschaftlichkeit genügen. Wir sind überzeugt, dass dies möglich ist und dass vor uns ein weites Feld geisteswissenschaftlicher Forschung liegt.

Tragen Sie dazu bei!

Die Herausgeber

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